30/01/2026 0 Kommentare
Quer durchs Gesangbuch - die Regionalgottesdienste im Februar
Quer durchs Gesangbuch - die Regionalgottesdienste im Februar
# Regionales

Quer durchs Gesangbuch - die Regionalgottesdienste im Februar
Dass ausgerechnet 1989 "Vertraut den neuen Wegen" gedichtet wurde, hat nichts direkt mit den Zeitumständen der friedlichen Revolution zu tun. Doch im Nachhinein entpuppte es sich als eines der vielen Zufälle, die die Geschichte der Lieder, die in den evangelischen Gottesdiensten gesungen werden, so spannend macht. Die vier regionalen Gottesdienste unserer Kirchenregion werden im Februar diese Geschichte, oder, besser gesagt, diese Geschichten aufgreifen:
Martin Luther selbst dichtete Lieder, in denen sich auch seine Theologie und sein Glaube zeigen. Sie tragen alle einen bestimmten Stil seiner Zeit, sind christuszentriert und erzählen oft die Christusgeschichte und die Bedeutung des christlichen Glaubens in vielen, vielen Strophen. Ihre volksnahe Sprache ist teils drastisch - auch das entspricht seiner Theologie, in der der Teufel als real existent und die bösen Mächte oft in den Feinden bzw. den "feindlichen Rotten" gesucht wurden.
Paul Gerhardt ist als der evangelische Lieddichter sicher berühmter als Martin Luther geworden. In seiner "barocken" Zeit wurde schon viel ausgeschmückter gedichtet. Lutherische Theologie war für ihn um die einzelne Seele, ihre Ängste und ihr Vertrauen herum gruppiert. Deswegen können seine Texte auch heutige verzagte Seelen ansprechen.
Diese Lieder werden am kommenden Sonntag, den 1. Februar um 11 Uhr in Großenbrode erklingen.
Im Gesangbuch gibt es ganz, ganz alte Lieder, "Hymnen" wie "Veni creator spiritus", die einen Hauch von alter Zeit und alter Spiritualität weiter lebendig halten. Oft wurden sie umgedichtet oder leicht abgewandelt. Alte Marienlieder wurden in der Reformation zu Christusliedern. Der eben benannte Hymnus wurde auf deutsch übersetzt, damit man den Text versteht. Doch man merkt ihnen immer noch ein anderes Gefühl für Zeit und Rhythmus an, oft den nicht-elektronischen Gegebenheiten angepasst, unter denen der Chorraum der Kirchen und sein unglaublicher Hall genutzt wurden.
Diese Lieder werden am Sonntag, den 8. Februar um 9 Uhr 30 in Neukirchen erklingen.
Nicht wenige, aber zu wenige Lieder im Gesangbuch wurden von Frauen geschrieben. Dabei sind nicht alle aus neueren Zeiten, wo die Gleichberechtigung auch zu dem Versuch eines gleichberechtigten Zugangs zum Musik- und Theologieschaffens führte. "So nimm denn meine Hände", das auf vielen Beerdigungen gesungen wird, wurde von einer Frau geschrieben. In einer perfekten Welt würde es gar keine Rolle spielen, welche "Seele" (siehe oben) Lieder schreibt. Doch wir leben nicht in einer solchen Welt. Dem evangelischen Verständnis sollen außerdem alle Lieder welt- und volksnah sein. Wenn sie nicht aus echten Erfahrungen gesättigt sind, dann kann der Glaube nicht mehr zu den Menschen sprechen. Umso wichtiger also, ganz bewusst die Frauenperspektiven nicht nur in der männlich dominierten Bibel, sondern auch im männlich dominierten Gesangbuch herauszustellen.
Das passiert am Sonntag, den 15. Februar um 11 Uhr in Heiligenhafen.
"Vertraut den neuen Wegen" ist eine der Aufforderungen, die in diesen Zeiten nicht so einfach nachzukommen ist (wie etwa: Entspann Dich!, oder "Wird schon alles gut werden!" oder "Arbeite fleißig weiter"). Doch diese Aufforderung passt sehr gut zur Jahreslosung 2026: "Sieh ich mach alles neu", zu der schon im Januar Gottesdienste stattgefunden haben. Nicht jedes "neue" Lied ist gut. (Doch ist das nicht genauso bei den "alten" Liedern?) Und so manch einer schaut skeptisch, wenn es wieder mal etwas Unbekanntes zu singen gibt (aber sind nicht auch so manche "alte" Lieder mittlerweile unbekannt?) Die spannende Frage ist doch vielmehr: Welche Lieder werden sich als neue Tradition durchsetzen? Wird in Zukunft überhaupt noch gemeinsam gesungen, wo immer weniger Menschen in der Kirche oder in der Kirchenmusik engagiert sind, und auch leider immer weniger Menschen gemeinsam singen?
Am Sonntag, den 22. Februar erklingen die "neuen Wege" um 9 Uhr 30 in Neukirchen. Auch die Kirchgemeinderäte der Region werden bei diesem Gottesdienst anwesend sein.
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